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Aktuelle Meldung

30.05.2018
Dokumentationszentrum Schwerin

Überraschender Besuch der Tochter von Wiktor Suworow im Dokumentationszentrum

Völlig überraschend besuchte am 30.05.2018 Tatjana Suworowa aus Jekaterinburg (Russland) das Dokumentationszentrum Schwerin. Die Tochter des ehemaligen SMT-Häftlings Wiktor Suworow reiste zum zweiten Mal auf den Spuren ihres Vaters nach Deutschland und überbrachte uns seine herzlichsten Grüße.

Ihr Vater arbeitete seit 1945 als Militärdolmetscher für verschiedene Kommandanturen der Sowjetischen Besatzungsmacht in Berlin, Schwerin und Wismar. Im Januar 1948 wurde er auf Grund einer Denunziation verhaftet.  Er soll ein „Vergehen“ eines anderen sowjetischen Militärangehörigen nicht angezeigt zu haben. Das Sowjetische Militärtribunal (SMT) verurteilte ihn am 16. Juni 1948 nach Artikel 58 des Strafgesetzbuches der RSFSR wegen «antisowjetischer Agitation und Propaganda» zu 10 Jahren Arbeitslager. Nach kurzer Internierung im sowjetischen Speziallager Nr. 1 Oranienburg (Sachsenhausen) wurde er in ein  GULAG-Lager der Sowjetunion deportiert. Nach der vorzeitigen Entlassung 1954 und der Rehabilitierung 1957 konnte er Chemie studieren und arbeitete bis zum Eintritt in den Ruhestand in diesem Beruf.

Wiktor Suworow hätte sehr gern noch einmal Mecklenburg besucht, aber mit seinen 93 Jahren ist die lange Reise von Jekaterinburg nach Schwerin mittlerweile zu beschwerlich geworden. Tochter Tatjana Suworowa reiste somit stellvertretend für ihn nach Deutschland und besuchte unter anderem auch das Dokumentationszentrum. Dem Bericht zum Schicksal ihres Vaters beim Besuch vor zwei Jahren verdanken wir die bedeutende Erkenntnis, dass neben deutschen Zivilisten auch sowjetische Militärangehörige am Schweriner Demmlerplatz in Untersuchungshaft saßen und durch das dort tagende Sowjetische Militärtribunal (SMT) verurteilt wurden. Tatjana versprach wiederzukommen und Ihrem Vater von der Arbeit im Dokumentationszentrum und den abgeschlossenen Sanierungsmaßnahmen zur Erhaltung des historischen Ortes als Erinnerungs- und Bildungsstätte zu berichten. Unsere herzlichen Grüße an ihren Vater nimmt sie mit auf die Reise zu ihm nach Jekaterinburg. Wir freuen uns schon jetzt auf ihren nächsten Besuch!


Das Schicksal von Wiktor Suworow und ein Interview mit der Historikerin Dr. Natalja Jeske, die ihn in Jekaterinburg besucht hat, ist in einer NDR-Zeitreise zu sehen.

www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Stalin-Terror-Das-Schicksal-von-Wiktor-Suworow,nordmagazin50218.html


(NDR Nordmagazin vom 25.03.2018; Autor: Martin Möller)


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